Outs und Pot Odds

smaller text tool iconmedium text tool iconlarger text tool icon

Wer rechnet, verliert weniger

Die beste Hand (die sog. "Nuts") hat man auf dem Flop nur selten. Somit ist man in den meisten Fällen auf eine Verbesserung seiner Hand angewiesen. Jene Karten, die eine Hand verbessern, werden als Outs bezeichnet. Es ist nicht schwierig, zu sehen, welche Karten unsere Hand verbessern. Meist geht es darum, herauszufinden, welche uns auch die Gewinnerhand geben.

Beispiel 1:
Wir halten A-K bei einem Flop von Q-J-9. Jede 10 gibt uns die Nuts, A und K nur Top-Pair, was uns eventuell keine Chance gegen einen Drilling lässt oder dem Gegner eine Strasse oder Two Pair beschert.

Beispiel 2:
Wir halten 7-8 bei einem 2-6-9 Flop. Mit jeder 5 und 10 bekommen wir unsere Strasse, so haben wir 4 + 4 Outs (also gesamthaft 8), da sich jeweils 4 Sechsen und 4 Zehner im Deck befinden.

Beispiel 3:
Wir haben 9-10 in Herz und der Flop zeigt zwei weitere Herz-Karten (wir haben einen Flush-Draw). Nun haben wir 9 Outs (13 Karten pro Farbe sind vorhanden, davon sehen wir bereits 4, demnach sind noch 9 weitere Herz-Karten im Deck, die uns zum Flush verhelfen).

Lassen sich Outs finden, bei denen nicht sicher ist, ob sie uns zum Sieger machen, müssen diese wieder abgezählt werden. Man nennt diese Outs auch "partiell" und sie werden demnach nicht ganz dazu gerechnet. Bei unserem Beispiel 1 hätten wir 4 Outs zu den Nuts (die vier 10er), die natürlich nicht abgezählt werden müssen und 6 Outs zu einem leicht schlagbaren Top-Pair. Um dem Umstand gerecht zu werden, sollten nur etwa 3 Outs dafür veranschlagt und mit insgesamt 7 Outs weitergerechnet werden.

Nun stellt sich meistens die Frage, ob man genügend Outs hat, um einen Einsatz zu callen. Dazu muss man die Wahrscheinlichkeit kennen, dass sich die Hand zum Sieg verbessert. Dazu nehmt folgende einfache Formeln:

Anzahl der Outs x 2 =
      Gewinnwahrscheinlichkeit in % für die nächste Karte
(d.h. vom Flop zum Turn oder vom Turn zum River)

Anzahl der Outs x 4 =
      Gewinnwahrscheinlichkeit in % für Turn und River
(vom Flop bis zum Ende)

Bei 9 Outs haben wir am Flop, wenn wir zum Schluss beide Karten sehen, eine Chance von knapp 36% und für die nächste Karte rund 18%. Mit 13 Outs am Flop sind wir sogar Favorit (13 x 4 = 52% Wahrscheinlichkeit, das wir am Ende gewinnen).

Nun sind diese Wahrscheinlichkeiten nur ein Teil zur Entscheidung, ob ein Call gut oder schlecht ist. Ein weiterer Faktor sind die Pot-Odds. Das ist nichts anderes, als das Verhältnis des möglichen Gewinnes (Pot) zum Einsatz, den wir leisten müssen (unser Call).

Beispiel:
Müssten wir 100 Chips setzen, um 200 Chips zu gewinnen, so müssten wir mindestens eine 50%ige Chance haben, tatsächlich zu gewinnen.
Müssten wir 50 Chips setzen, um einen Pot von 200 Chips zu gewinnen, müssen wir nur eine 25%ige Chance haben, zu gewinnen.

Darum geht es bei den Pot-Odds. Befinden sich 5000 Chips im Pot, unser Gegner erhöht auf 1000, so können wir 6000 gewinnen und müssen dafür 1000 bezahlen. Das Verhältnis ist demnach 6000:1000, also 6:1. Nehmen wir in diesem Fall an, dass wir ziemlich sicher wissen, nicht in Führung zu liegen und uns verbessern müssen. Wieviele Outs brauchen wir, um einen profitablen Call zu machen?

Wir rechnen:
100 / Pot-Odds (hier 6:1) + 1 = 100 / 7 = 15 % (gerundet)

Das sagt uns, dass wir mindestens eine 15%ige Chance brauchen, um zu gewinnen. Sagen wir, der Einsatz von unserem Gegner war ein All-In am Flop (d.h. wir bekommen Turn und River für den Preis von 1000), so brauchen wir ungefähr nur 4 Outs um langfristig davon zu profitieren!

Viele Spieler sehen die 1000 vor sich und entscheiden sich, zu folden, weil „es zu viel ist“. Die richtige Entscheidung ist hier aber ein Call, solange man mindestens 4 sichere Outs hat.

Ein weiteres Beispiel:
Unser Gegner setzt 500 in einen Pot von 1000. Wir müssen 500 bezahlen um 1500 gewinnen zu können, bekommen daher 3:1 Pot-Odds. Wir haben einen Open-Ended-Straight-Draw (8 Outs) am Turn. Call oder Fold?

Nach unserer Rechnung: 100/4 = 25%

8 x 2 = 16%

Wir würden mindestens eine 25%-ige Chance brauchen, um zu gewinnen, haben aber tatsächlich nur 16%. Deswegen unsere Entscheidung: Fold.

Pot-Odds sind essentiell, um erfolgreich und gewinnbringend zu spielen. Beim Pokern geht es darum, seine Chips in Situationen zu setzen, in denen man eine positive Gewinnerwartung hat. Ist das nicht der Fall, handelt es sich um keine gute Investition und ihr verliert auf lange Sicht Geld. Nun habt ihr mit der "x 2"-Regel eine einfache Regel gelernt, um eure Investitionen besser abschätzen zu können.